Beispiel 2
Arbeiten auf einem Flachdach mit Auffangsystem

Ort: Elektrowerkstatt

Art der Arbeit/Tätigkeit: Reparatur- und Schweißarbeiten an einer ungesicherten Flachdacheinfassung

Anzahl der Mitarbeiter: 2

Datum: 30.06.09

Ersteller: Karl Meier

 

1. SCHRITT: ANALYSE

 Systematische Ermittlung von Gefahrquellen und GefÄhrdungen

Schreiben Sie hier wertfrei die Gefahren und Gefährdungen auf, die sich ergeben können.

 

Beim Einsatz eines Auffangsystems:

  • fehlen Anschlagmöglichkeiten
  • fehlt die Möglichkeit sich über Kopf anzuschlagen
  • kann der Mitarbeiter in das Auffangsystem stürzen
  • kann der Mitarbeiter im Auffangsystem hängen

2. Schritt: Beurteilung

Welche GefÄhrdungsfaktoren kÖnnen zu UnfÄllen oder GesundheitsschÄden fÜhren?

 

Schreiben Sie die Gefährdungen auf.

 

  • Es besteht weiterhin Absturzgefahr, wenn keine geeigneten Anschlagpunkte geschaffen werden.
  • Da man sich nicht über Kopf anschlagen kann, muss das Auffangsystem für horizontale Beanspruchung geeignet sein.
  • Da man sich nicht über Kopf anschlagen kann, besteht die Gefahr von Pendelbewegungen nach einem Sturz.
  • Wenn das Auffangsystem durch Arbeitsvorgänge oder sonstige Einflüsse beschädigt wird, kann die Schutzwirkung beeinträchtigt werden.
  • Wenn das Auffangsystem bei einem Sturz durch die Absturzkante beschädigt wird, kann die Schutzwirkung beeinträchtigt werden oder verloren gehen.
  • Bei einem Sturz in ein Auffangsystem besteht Verletzungsgefahr durch die einwirkenden Kräfte.
  • Beim Hängen im Auffangsystem besteht Verletzungsgefahr.
  • Verletzungsgefahr durch eine falsche (unsachgemäße) Benutzung des Auffangsystems.

3. Schritt: Setzen von Schutzzielen

WAS MUSS ERREICHT WERDEN?

 

Schreiben Sie den Sicherheitszustand auf, den Sie erreichen wollen.

 

Verletzungen oder Gesundheitsschäden durch

  • die Verwendung des Auffangsystems,
  • einen Sturz in das Auffangsystem,
  • ein Hängen im Auffangsystem nach einem Sturz,
  • die Durchführung der Rettung,
  • ein beschädigtes Auffangsystem

müssen vermieden oder auf ein akzeptables Risiko gemindert werden.

4. SCHRITT: ENTWICKELN VON LÖSUNGSALTERNATIVEN

WELCHE LÖSUNGEN KOMMEN IN FRAGE?

 

Schreiben Sie die möglichen Lösungen auf, mit denen die Schutzziele zu erreichen sind.

In Frage kommen Technische Lösungen (T) – Organisatorische Lösungen (O) – Auffang- und Rettungssystem (P).

Führen Sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Bewertung durch.

 

  • Geeignete Anschlagpunkte schaffen.
    Mögliche Anschlageinrichtungen (T):
    • Türanker (Zugrichtung entsprechend Gebrauchsanweisung beachten)
    • Neue Anschlagpunkte installieren

 

  • Auffangsystem einsetzen, das für horizontale Beanspruchung geeignet ist. In Frage kommen:
    • Auffangsystem mit mitlaufendem Auffanggerät einschl. beweglicher Führung
    • Höhensicherungsgerät, zugelassen für horizontalen Einsatz
    • Auffangsystem mit Falldämpfer

     

  • Auffangsystem einsetzen, bei dem die Länge des Verbindungsmittels variabel eingestellt werden kann, damit ein Absturz über die Kante möglichst vermieden wird und Pendelbewegungen im Falle eines Absturzes gering gehalten werden.
    In Frage kommen:
    • Auffangsystem mit mitlaufendem Auffanggerät einschl. beweglicher Führung
    • Auffangsystem mit Höhensicherungsgerät, zugelassen für horizontalen Einsatz
    •  

  • Vermeidung/Minimierung von Unfall- und Gesundheitsgefahren durch Abstürzen in ein Auffangsystem durch Minimierung der Fallhöhe. In Frage kommen:
    • Auffangsystem mit mitlaufendem Auffanggerät einschl. beweglicher Führung
    • Auffangsystem mit Höhensicherungsgerät, zugelassen für horizontalen Einsatz

     

  • Vermeidung/Minimierung von Gesundheitsgefahren beim Hängen im Auffangsystem durch:
    • Aktivierung der Muskelpumpe durch Bewegen der Beine
    • Nutzung einer Trittschlinge oder anderer Hilfsmittel zur Entlastung
    • Schnelle Rettung durch
      • bereitstehende Feuerwehr mit Leiterwagen
      • ein spezielles Rettungsgerät am Arbeitsplatz
      • Rettung mit Hubbühne an der Außenwand

     

  • Schädigende Einflüsse auf die Auffangsysteme durch Arbeitsvorgänge oder sonstige Einflüsse sind bei bestimmungsgemäßer Verwendung der Auffangsysteme und ordnungsgemäßer Durchführung der Arbeiten auf ein akzeptables Risiko gemindert. Eine Beschädigung durch Kanten ist im konkreten Fall unwahrscheinlich.

5. SCHRITT: AUSWAHL DER LÖSUNG

Wie bewerten sie die möglichen Lösungen?

 

Bewerten Sie die möglichen Lösungen und treffen Sie eine Entscheidung.
Halten Sie Ihre Bewertung der verschiedenen Lösungen mit wenigen Worten fest. Beachten Sie die Hierarchie der möglichen Maßnahmen (technisch, organisatorisch, persönlich).

 

  • Anschlageinrichtung:
    • Der Türanker ist als Anschlageinrichtung ausreichend und für 2 Personen ausgelegt.
    • Die Alternativen (Installation neuer Anschlagpunkte) sind aufwendiger ohne sicherer zu sein.

 

  • Auffangsysteme geeignet für horizontale Beanspruchung und versehen mit variabel einstellbarem Verbindungsmittel:
    • Das Auffangsytem mit mitlaufendem Auffanggerät einschl. beweglicher Führung erfüllt alle Anforderungen und wird betrieblich vorgehalten.
    • Das Höhensicherungsgerät verhindert nicht den Absturz von der Dachkante. Es müsste beschafft werden und bietet nicht mehr Sicherheit.

 

  • Vermeidung/Minimierung von Gesundheitsgefahren durch Hängen im Auffangsystem
    • Das Bewegen der Beine und die Nutzung der Trittschlinge wirken sofort und können vom Gestürzten selbst angewendet werden. Die Wirkung ist jedoch befristet.
    • Die Hubbühne ist an der Elektrowerkstatt stationiert und verfügt über eine ausreichende Hubhöhe. Der Rettungsweg verläuft nach unten. Die Dachdecker sind im Umgang unterwiesen.
    • Die dauernde Präsenz der Feuerwehr ist schwer zu gewährleisten. Wenn die Feuerwehr bei anderen Ereignissen zum Einsatz kommt, steht sie für die Rettung nicht permanent zur Verfügung.

6. Schritt: Durch- und umsetzung der lÖsung

wie sieht die konkrete realisierung aus?

 

Bewerten Sie die möglichen Lösungen und treffen Sie eine Entscheidung.
Halten Sie Ihre Bewertung der verschiedenen Lösungen mit wenigen Worten fest. Beachten Sie die Hierarchie der möglichen Maßnahmen (technisch, organisatorisch, persönlich).

 

Eingesetzte Auffangsysteme:

  • 2 Auffangsysteme mit mitlaufendem Auffanggerät einschl. beweglicher Führung KB1 und Auffanggurt Typ JOKA DSK

 

Anschlageinrichtung:

  • Türanker TA 110
    Zugrichtung in festem Schenkel; Einsatzwinkel beachten (Gebrauchsanweisung)

 

Rettungsverfahren:

  • fahrbare Allzweckhubbühne, Standort Elektrowerkstatt

Die ausgewählten Auffangsysteme sind ordnungsgemäß gekennzeichnet. Gebrauchsanleitungen liegen den Auffangsystemen bei.
Die ausgewählten Auffangsysteme und die Trittschlingen werden betrieblich vorgehalten und stehen den Mitarbeitern zur Verfügung.
Vor Aufnahme der Arbeiten erfolgt eine Unterweisung der Mitarbeiter, die auch die Bedienung der Hubbühne einschließt.

Der Rettungsweg im Absturzbereich muss freigehalten werden.

7. Schritt: Kontrolle

welche kontrollen sind vorgesehen?

 

Schreiben Sie auf, was zu kontrollieren ist.

 

  • Sind die Auffangsysteme in den Prüfungs- und Wartungssystemen gemäß Gefährdungsbeurteilung erfasst?
  • Wird die fahrbare Allzweckhubbühne durch das Prüfungs- und Wartungssystem gemäß Gefährdungsbeurteilung erfasst?

8. Schritt: weiterfÜhrende Maßnahmen

 

Halten Sie fest, was noch vor der Durchführung der Arbeiten zu tun ist und wie die Dokumentation und die Aktualität der Gefährdungsbeurteilung zu gewährleisten ist.

 

  • Dokumentation dieser Gefährdungsbeurteilung.
  • Betriebsanweisung durch den Vorgesetzten Herrn Karl Meier erstellen.
  • Kontrolle der Arbeit durch die schichtführende Aufsicht.
  • Relevante Erkenntnisse durch die schichtführende Aufsicht nach der Arbeit in die Gefährdungsbeurteilung einarbeiten.